Aus der Frankenpost

"Mit Billigbier will ich nicht konkurrieren"

Aus der Frankenpost vom 23.05.2013:

Mit "Alte Feuerwache" hat der Münchberger Ulrich Bloß seine eigene Biermarke entwickelt. Aus dem Hobby könnte Ernst werden. Ein Gespräch über Billigbiere, Frauen und Bier sowie eine mehr als 500 Jahre alte Tradition.

 

 

Prost! Ulrich Bloß hat in Münchberg eine jahrhundertealte Biertradition wieder zum Leben erweckt.

 

 

Wann ist ein Bier ein gutes Bier?

Wenn es mit handwerklicher Leidenschaft und guten Zutaten gebraut wird. Da es nicht allzu viele braucht, kommt es besonders auf die Leistung des Braumeisters an.

 

Ganz wichtig ist gutes Wasser.

Im Idealfall kommt das aus einem Tiefbrunnen der Brauerei. Das perfekte Bier gibt es sicherlich mehrfach. Gerade in Franken, der Gegend mit der größten Brauereidichte weltweit, hat keiner weit zu seinem Favoriten. Ich mag diese Vielfalt. Was ich nicht mag, sind Industrie-Biere, die über Hunderte von Kilometern herumkutschiert werden.

 

Welche Beziehung haben Sie zum Bier?

Experte bin ich nicht, dafür ist das Handwerk zu anspruchsvoll. Aber seit einem Jahr zählt eine Brauerei zu den Kunden unserer Marketing-Agentur. Meine Aufgabe ist es, Synergien zum Potenzialen unserer Kunden zu finden. Das geht aber nur, wenn man sich mit neugierigem Respekt mit deren Produkten auseinandersetzt.

 

Wie erkenne ich als Laie, dass ich es mit einem besonderen Bier zu tun habe?

Das ist nicht so einfach. Trotz des Reinheitsgebots sind in Deutschland bestimmte Zusätze erlaubt. Zum Beispiel kann der Brauer für dunkle Biersorten nachträglich Zuckercouleur als Farbstoff zusetzen. So kann es sein, dass helles und dunkles Bier aus dem gleichen Sud stammt. Man sollte also auf die Herkunft achten.

 

Ein Braumeister aus Mittelfranken braut für Sie Ihr dunkles Spezialbier "Alte Feuerwache". Was ist das Besondere daran?

Mein Braumeister, übrigens Schwabe, hat ein dunkles, kräftiges Bier gebraut, dass ein guter Begleiter in der fränkischen Küche ist. Wie früher.

 

Biertrinker sind Gewohnheitstiere. Wie wollen Sie Kunden gewinnen, die immer nur die gleiche Biermarke kaufen?

Der Zuspruch ist so gut, dass wir dabei sind, weitere Sorten zu entwickeln. Im Augenblick arbeiten wir an einem Export, wie es früher sehr viel in Münchberg gebraut wurde.

 

Sie haben eine Marketing-Agentur sowie ein Call-Center aufgebaut. Ist das Bier nur Hobby?

Anfangs war es nur als Hobby gedacht. Aber die Zusammenarbeit mit der Brauerei, das Ende des "Münchberger Landbier-Dealers" und die Tatsache, dass wir einen idealen Lagerraum haben, hat was entstehen lassen. Außerdem hat mein alter Schulkamerad Andy Lang aus Gefrees bereits sein eigenes Pilger-Bier für seine Konzertscheune. Da konnte ich nicht zurückstehen.

 

Offenbar haben Sie Spaß daran gefunden?

Für mich ist das ein toller Ausgleich zum täglichen Arbeiten am Computer. Das hätte ich so gar nicht erwartet.

 

Sie konkurrieren mit Billigbieren, immer neuen Biermischgetränken, und dazu kommt, dass der Durchschnittsverbrauch der Deutschen von 150 Litern pro Jahr vor 30 Jahren auf jetzt 110 gesunken ist.

Mit Billigbieren will ich gar nicht konkurrieren. Es gibt zu jedem Trend auch einen Gegentrend. Ich spüre ein starkes Verlangen nach einer Individualisierung und persönlichen Beziehung, vergleichbar mit den alten Landkreis-Kennzeichen. Biermischgetränke will ich aber nicht kategorisch ausschließen.

 

Sie benötigen eine Mindestabnahme-Menge für Ihre Sorte.

Das hat mich anfangs schon beunruhigt. Wegen eines Hobbys so viel zu investieren, aber dann hat sich eine Eigendynamik entwickelt.

 

Wollen Sie irgendwann mit dem Bier Geld verdienen?

Ich stehe vor der Entscheidung, es "g'scheit oder goar net" zu betreiben. Durch die starke Nachfrage werden wir aber nun mehr Zeit und Geld reinstecken und weitere Sorten entwickeln. Bis ich wirklich mal Geld damit verdiene, wird es sicher noch eine Weile dauern, denn die Anfangsinvestitionen waren nicht von Pappe. Außerdem bekommt die örtliche Feuerwehr ja eine Spende pro verkauftem Kasten.

 

Münchberg hat eine mehr als 500 Jahre lange Biertradition, aber 1995 musste die Bischoff-Bräu als Letzte aufgeben. Sie wurde wie drei Jahre zuvor die Nützelbräu von Kulmbach übernommen. Gibt es Pläne, das Bier auch in Münchberg zu brauen und nicht nur hier zu vertreiben?

Das Prinzip meiner Agentur ist es ja, die Dienstleistungen und Produkte unserer Kunden zu vermarkten. Da ist das Bier eines davon. Die Ausnahme ist, dass wir das selbst erledigen. Dieses Prinzip bedingt, dass wir immer das Können und Wissen unserer Kunden und Partner einsetzen. Daher werden wir vor Ort in Münchberg wohl nicht brauen. Zudem sind leider keine den Vorschriften entsprechenden Braustätten mehr vorhanden. Ob das Münchberger Bier eine Zukunft hat, hängt davon ab, wie wir den Geschmack treffen. Daran können wir arbeiten. Die Tradition hier ist groß. Zum Beispiel war die Bischoff-Bräu ja gar nicht mal so klein. Deren Ausstoß entsprach der Schlenkerla Brauerei in Bamberg.

 

Was müsste man tun, um Frauen mehr für Bier zu begeistern?

Muss man hier wirklich was tun? Wenn ich mich so umsehe, sehe ich keinen Handlungsbedarf.

 

Das Gespräch führte Alexander Wunnner

 

Historisches

Bereits im 15. Jahrhundert, als nur Städte und Märkte das Braurecht ausüben durften, gab es in Münchberg Bier. Die letzte Brauerei, die Bischoff-Bräu, stellte ihren Betrieb 1995 ein. Ulrich Bloß hat das keine Ruhe gelassen. Der junge Unternehmer, der in Münchberg mit einer Werbeagentur und einem Callcenter 15 Arbeitsplätze geschaffen hat, hat nun eine eigene Münchberger Biermarke entwickelt.

 

 

Alte Feuerwache (Dunkles Spezialbier)

Spritz'n-Haisla (Helles Bier)

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